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Hilfe, meine Besucher filmen meine Veranstaltung

posted on November 22nd 2016 in Betrachtungen with 0 Comments

shopping

Sie sind Einzelhändler und veranstalten ein Event. Es strömen die Besucher nur so zu Ihnen, so dass Sie sich langsam fragen, ob Sie Ihren Laden von außen zu machen müssen oder nicht. Sie freuen sich, und das zu Recht. Nehmen wir mal an, Sie haben ein „Google Alert“ erstellt, das sich meldet, sobald es Neues im Netz gibt zu Ihrem Firmennamen oder auch von Ihrem Event. Da erhalten Sie die Meldung, dass ein Video in YouTube von Ihrer Veranstaltung, sagen wir mal gestern, hochgeladen wurde. Natürlich sind Sie neugierig geworden und klicken darauf. Ein Video? Was für ein Video? Wer hat das hochgeladen? Wie sieht es aus? Diese Fragen schießen Ihnen durch den Kopf. Sie klicken auf das Video, sehen es sich an und stellen fest, dass es weitere Videos von Ihrem Geschäft gibt. Nicht nur von dem Event gestern, sondern auch von den Vergangenen. Nicht nur von einer Person, sondern von verschiedenen Leuten. So zumindest zeigen es die Videovorschläge von YouTube auf der rechten Seite. Sie schauen genauer hin und stellen fest, dass es nicht nur Videos von Ihrem Geschäft mit den Veranstaltungen gibt, sondern auch Videos beim Shoppen.

Jetzt ist meine Frage: Sind Sie geschockt? Verärgert? Wollen Sie das sofort unterbinden bzw. löschen lassen? Oder sehen Sie darin doch Potenzial?

Die Frage nach der richtigen Entscheidung
Was Sie rechtlich tun dürfen bzw. können, will ich hier nicht aufzeigen. Es geht hier nicht um eine Rechtsberatung, denn die darf und will ich auch nicht durchführen. Ich kann nur so viel sagen, dass Sie auf dem Event ein Film- und Fotografieverbot aussprechen dürfen. Die andere Frage ist nur, ob das klug wäre. Und genau darum geht es hier. Denn das Szenario, das ich oben geschildert habe, zeigt eigentlich ein Traumszenario eines jeden Einzelhändlers. Wenn Videos auftauchen, da ist der Laden im Gespräch. Besucher zeigen, dass sie dabei waren. Und wenn sie das so zeigen, ist die Location eine wichtige Adresse. Wenn nicht sogar DIE Adresse.

Ihre Fragen, die Ihnen Sorgenfalten ins Gesicht treiben
Womöglich kommen Ihnen jetzt weitere Fragen. Fragen wie:

  • Was ist mit dem Corporate Design?
  • Was ist mit der Qualität des Videos?
  • Was ist mit meiner Kontrolle über das, was über mein Geschäft gesagt oder gezeigt wird?
  • Was ist, wenn Unsinn gezeigt / gemacht wird?

Diese Fragen sind berechtigt, die muss man sich stellen. Allerdings macht es einen Unterschied, ob Sie etwas veröffentlichen oder Ihre Besucher bzw. Kunden. Die Öffentlichkeit nimmt diesen Unterschied sehr wohl wahr.

Der Unterschied: Ihre Veröffentlichung im Vergleich zu der Ihrer Besucher / Kunden
Wenn Sie etwas veröffentlichen, erwartet man eine professionelle und eine einheitliche Aufmachung, letzteres Corporate Design genannt. Auch die Sprache muss einheitlich bleiben (Corporate Identity). Gewisse Dinge, die Sie veröffentlichen, dürfen einen „laienhaften“ Look haben. Doch auch das muss gezielt eingesetzt sein.

Anders sieht es aus, wenn Ihre Besucher / Kunden Videos veröffentlichen. Da darf es durchaus laienhaft aussehen. Eigentlich muss es laienhaft aussehen, sonst erhält das Video sofort den Nachgeschmack eines Fakes. Also eines absichtlich schlecht produzierten Werbevideos. Stellt sich heraus, dass es sich tatsächlich um einen versteckten Werbefilm handelt, wird dieser dann tatsächlich abgestraft. Einen Shitstorm muss man allerdings nicht gleich befürchten, jedoch negative[Ga1] Kritik.

Steuern der Reputation im Web und der Öffentlichkeit
Fördern und motivieren Sie Ihre Besucher / Kunden zur Veröffentlichung
Viele Unternehmen / Unternehmer fürchten den Kontrollverlust. Dabei haben sie schon lange keine Kontrolle mehr. Es wurde damals schon über Unternehmen gesprochen. Heute hat sich das ins Netz verlagert. Es wird über Sie gesprochen und das öffentlich (wenn im Netz gar nicht über Sie gesprochen wird, sollten Sie sich Sorgen machen). Auf das Ob haben Sie keinen Einfluss. Auf das Wie schon. Besonders wie Sie mit Kritik umgehen, egal ob berechtigt oder nicht.

Natürlich können Sie Ihre Reputation steuern: indem Sie selber Beiträge in der Social Media veröffentlichen, Kommentare beantworten und auch selber in fremden Beiträgen kommentieren. Sie können aber auch Ihre Besucher und Kunden auffordern über Sie zu schreiben und zu posten (Fotos oder Videos). Motivieren Sie die Leute dazu. Speisen Sie sie aber bitte nicht mit einem Gewinnspiel ab, so nach dem Motto „Das beste Foto gewinnt“. Treten Sie mit den Besuchern und Kunden in Kommunikation. Interagieren Sie mit ihnen.

Ihr Ausruf sollte also nicht heißen „Hilfe, auf meiner Veranstaltung wird gefilmt.“, sondern: „Hurra, auf meiner Veranstaltung wird gefilmt.“