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Content is King! – Och nö, nicht schon wieder…

posted on März 30th 2017 in Betrachtungen with 0 Comments

Ekevarsek Productions Future Space

Wo kann ich deutlich sehen, was sich im Bereich Marketing bzw. Werbung (nachweislich erfolgreich) durchgesetzt hat? Wo kann ich als Unternehmer mir ein deutliches Bild von dem machen, das nicht nur ein Begriff ist, sondern mir auch zeigt, dass das Hand und Fuß hat? Richtig: auf Messen. Wer auf der jährlichen Internet World Messe in München war, hat einen deutlichen Wandel im Bereich Marketing erkennen können. Bisher dominierte der Bereich E-Commerce, also Onlineshop, SEO (Suchmaschinenoptimierung) und E-Mailmarketing. Die Internet World Messe ist Deutschlands größte Internethandel-Messe. Sehr schön und ganz klar zu sehen war, dass dem Content Marketing deutlich mehr Gewicht gegeben wurde als viele Unternehmer vielleicht erwartet hatten. In zwei Hallen konnte man die Aussteller besuchen und ins Gespräch mit ihnen kommen. Eine Halle war für den Bereich E-Commerce vorbehalten und eine andere Halle für den Bereich Content Marketing.

Mit dem Thema Content Marketing tun sich viele Unternehmer und Unternehmen schwer. Viele fragen sich: „Was können wir schon von uns erzählen, außer eben, dass unser Produkt / unsere Dienstleistung sehr gut ist?“. Zugegeben, für manche Unternehmen ist es eine größere Herausforderung als für andere. Allerdings tun sich überraschenderweise auch die Unternehmen schwer, die quasi täglich etwas Interessantes veröffentlichen könnten.

In Gesprächen mit Unternehmern sind uns drei Dinge aufgefallen: 1. Sie fühlen sich überfordert, 2. Sie haben Angst und 3. Sie entwickeln keine Phantasie. Zugegeben, das klingt erst mal ganz schön hart. Schauen wir uns die einzelnen Punkte einmal näher an:

1. Unternehmer und Unternehmen fühlen sich überfordert
Wie oben bereits erwähnt stöhnen Unternehmen häufig auf mit der Frage: „Was sollen wir denn bloß posten?“. Und ehe man sich versieht, werden eher werbelastige Inhalte verbreitet. Das führt dazu, dass Verbraucher, oder in dem Fall User, die Posts ignorieren. Noch vor gar nicht so langer Zeit haben viele Unternehmen dann gesagt, dass Social Media Marketing nicht funktioniere. Mittlerweile hat man erkannt, dass das Problem nicht in der Social Media liegt, sondern an einem selbst.

Was ist also die Lösung? Zum einen muss ich mich an den Gedanken gewöhnen, dass ich als Unternehmen zusätzlich die Rolle des Entertainers erhalten habe. Es geht hier nicht um pure Unterhaltung, sondern um Kommunikation. Allein sich dies bewusst zu machen, ist ein großer Schritt aus der Überforderung.

2. Unternehmen haben Angst
Vor zwei Dingen haben Unternehmen Angst: a. vor dem Verlust der Kontrolle über die Informationshoheit und b. vor einem möglichen Shitstorm (oft reicht schon eine böse Kritik).

2.a Die Angst vor dem Verlust der Kontrolle über die Informationshoheit
Darüber braucht man eigentlich keine Worte mehr verlieren. Die Zeiten, in der Unternehmen die Informationshoheit innehatten, sind längst vorbei. Unternehmen müsse heute ihren Verbrauchern auf Augenhöhe begegnen. Wer also weiter auf die Informationshoheit setzen will, wird als arrogant und antiquiert wahrgenommen.

2.b Die Angst vor einem möglichen Shitstorm
Oft und gerne wird gefragt, was man machen solle, wenn ein böser Kommentar gepostet wird. Im selben Atemzug mit der Frage nachgeschoben: „Kann ich die löschen?“. Hier gleich die Antwort auf die Frage nach dem Löschen: Nein, nicht löschen. Denn gerade das kann unter Umständen zu einem, wenn auch kleinen, Shitstorm führen. Die Regel ist: gelöscht wird nix! Viel mehr kommt es darauf an, wie das Unternehmen damit umgeht und wie es darauf eingeht. Wird wirklich mal gestänkert, reagieren auch die User entsprechend zugunsten des Unternehmens. Da kann es gut sein, dass dann Stimmen laut werden, dass man diesen unsäglichen Kommentar doch bitte löschen solle. Doch gilt bei einem solchen Kommentar abzuwägen, ob Sie darauf noch eingehen wollen oder ob Sie das löschen, ggf. mit einem Hinweis, dass es gelöscht wurde. Pauschal kann man das nicht entscheiden. Doch bei normaler Kritik, die durchaus auch emotional geladen sein kann, gilt immer: nix löschen, sondern darauf eingehen!

3. Unternehmen entwickeln oft keine Phantasie
Das ist zugegeben eine starke Behauptung. Doch dass dem so ist, sprechen unsere Beobachtungen, die jeder machen kann, und diverse Gespräche die wir führen. Manche Unternehmen haben es eigentlich einfach, und doch straucheln sie in der Social Media. Die fehlende Phantasie ist daran zu erkennen, dass überwiegend Prospekte und Angebote gepostet werden. Bei manchen Unternehmen fragen wir uns, wieso man jetzt keine Fotos und kurze Statements von der vergangenen Veranstaltung gebracht hat. Stattdessen sehen wir wieder ein neues Angebot. Kein Wort zu der Veranstaltung. Hier braucht es wirklich nicht viel Phantasie, um Content zu liefern. Hier wird deutlich, dass noch zu viele Unternehmen keine Phantasie entwickeln.

Dass oft die Phantasie fehlt, hat auch darin die Ursache, dass immer noch die Meinung vertreten wird, dass „das bisschen Facebook“ doch kein Akt sei. Das könne nun wirklich ein Mitarbeiter mal nebenher machen, oder gar ein Praktikant. Facebook können Sie hier beliebig austauschen mit z.B. Instagram, Twitter oder auch YouTube. Wer so denkt, begibt sich auf sehr, sehr dünnes Eis. Niemand käme auf die Idee mal geschwind eine Anzeige in die Süddeutsche Zeitung zu setzen. Wieso das dann aber mit Social Media Marketing gemacht wird, verwundert schon sehr.

Fazit
Wer jetzt durch die Internet World Messe gegangen ist, konnte es quasi „spürbar“ sehen, dass Social Media eben doch weit mehr ist als viele zunächst vermutet haben. Und dass damit sehr viel Geld dranhängt. Ein bisschen Social Media geht nicht. Denn ein bisschen Social Media bedeutet, dass ich kontraproduktiv arbeite. Denn auch hier gilt: „Man kann nicht nicht kommunizieren.“ Ein bisschen Social Media signalisiert ein sterbendes, ein veraltetes und kein innovatives Unternehmen zu sein. Dass die Tatsache anders aussieht mag sein, allerdings das kommunizieren Sie nicht, wenn Sie Ihre Social Media nicht entsprechen ausbauen und führen.